Galerie Kramer

Letzte Ausstellungswoche:

Tobias Wyrzykowski

Fremde Welt

7.9. - 12.10.2019

 

 

 

 

Tobias Wyrzykowskis Arbeitsweise changiert zwischen Zufall und Kalkül. Sie ist eine Art Zwiesprache mit dem Bild und der Farbe: der Künstler folgt den getrockneten Ergebnissen seiner letzten Aktion, die wieder neue Ideen hervorbringen kann.

Waren es auf seinen früheren Arbeiten die Linien, die eine lebhafte und unkonventionelle Rolle auf seinen Bildern spielten, so geht es in seinen neuen Arbeiten um die malerischen Möglichkeiten der Fläche. Dabei kommen verschiedene Techniken auf einem Bild zum Einsatz. Es gibt lasierte, aufgelöste, gespritzte, wieder weggenommene, Farbe. Die Farbe wird gegossen, getupft, verzogen, ineinander geschliert, gerakelt oder auf eine Art Spachtelmasse gestrichen, wo sie schrundig aufreißt und der Spachtel seine Spuren wie ein Relief hinterlassen kann. Lackartig glänzendes oder wässrig aufgelöstes Farbmaterial wechseln einander ab und verstärken sich gegenseitig.

Wie ein lakonischer Kommentar lassen sich die Titel lesen, die dem Bild eine neue Interpretationsmöglichkeit bringen können.

Bei einer großen blauen Arbeit kann die Frage, was dort möglicher Weise zu erkennen ist, noch sehr unterschiedlich beantwortet werden, wenn aber der Titel „Seestück mit Tüte“ hinzukommt, ist es plötzlich ziemlich klar, dass diese Tüte nur aus Plastik sein kann. Bilder aus dem Netz, auf denen Millionen von Plastiktüten im Meer schwimmen, sind plötzlich präsent.

Die Arbeiten zeigen, dass die Landschaft, der sich Tobias Wyrzykowski zugewendet hat, subtil und der Zeit gemäß um eine Dimension erweitert worden ist, nämlich um die der schleichenden Zerstörung. Das Bild „Wiese“ zeigt verschiedene Schmetterlinge in Originalgröße, die über einer Art Cocktail aus giftig-grüner Farbe schweben. Die meisten der dort abgebildeten Schmetterlingsarten sind in stadtnahen Gärten gar nicht mehr zu finden, sondern nur noch in unberührteren Regionen mit einer speziellen Pflanzenkombination. Das Wissen um die schleichende und oft unsichtbare Zerstörung der Natur und damit der Lebensräume anderer Lebewesen ist allgegenwärtig. Dennoch findet es nicht immer Eingang in unsere Vorstellungen, die wir von Dingen haben. Der übliche Blick auf eine Landschaft bleibt immer an der Oberfläche, aber man würde sich eine Sensibilität wünschen, die die schleichende Zerstörung bis ins kleinste Element mit wahrnimmt.


Kommende Ausstellung: Jean-François Guiton "Weg vom Fenster"

16.11.2019 - 11.01.2020,  Eröffnung am 16. November um 19.00 Uhr